Investmentmöglichkeiten an den Rohstoff- und Währungsmärkten

Preise für Agrarrohstoffe sind in der Regel stark lokalbezogen; ein allgemeines Bild lässt sich nur schwer zeichnen. Nachvollziehbar sind die Preisschwankungen deshalb nur für Agrarrohstoffe, die auf den Future-Märkten gehandelt werden, für die Finanzinvestoren also Termingeschäfte abschließen können. In erster Linie geht es da um Weizen, Mais, Fleisch, aber auch um Baumwolle, Zucker, Melasse, Sojabohnen, Kaffee oder Kakao.
Besonders drastische Preisanstiege gab es an den größten Börsen letzthin in Bezug auf Mais, der in einem Jahr eine Euro-Teuerung von 93 Prozent erfahren hat, sowie auf Sojabohnen und Rohreis, deren Preise an den Future-Märkten um 64 und 54 Prozent angestiegen sind. Während der Preis für Lebendvieh im letzten Jahr nahezu unverändert blieb, haben außerdem auch die Preise für Weizen und Kakao zugenommen, und zwar um jeweils 28 Prozent.

Welches sind die Gründe dafür, dass die Future-Preise für Agrarrohstoffe derart explodieren?

Die Gründe für den Anstieg sind vielschichtig; es gibt grundlegende, langfristige Trends, die für die Preissteigerungen ausschlaggebend sind, und darauf aufbauend kleinere, kurzfristige Trends.
Einer der grundlegenden Trends ist auf jeden Fall das Bevölkerungswachstum: Wir dürfen nicht vergessen, dass die Weltbevölkerung jedes Jahr um 80 bis 100 Millionen Menschen zunimmt (siehe hierzu auch Bundeszentrale für polititische Bildung) , das sind, salopp ausgedrückt, viele zusätzliche Mäuler, die gefüttert werden wollen – die Nachfrage nach Agrarrohstoffen steigt.

Eine zweite, ausschlaggebende Entwicklung ist die Tatsache, dass sich in den großen Schwellenländern wie China oder Indien eine neue Mittelschicht mit neuen Essgewohnheiten bildet, was konkret vor allem bedeutet, dass zunehmend mehr Fleisch konsumiert wird. Und dieses Fleisch muss hergestellt werden. Um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, werden etwa sieben bis acht Kilo Getreide benötigt; für die Herstellung von einem Kilo Schweinefleisch müssen vier Kilo Getreide verfüttert werden. Essen die Menschen also immer mehr Fleisch statt Getreide, versteht sich, dass die Nachfrage nach Getreide exponential ansteigt.

Bis in die Siebzigerjahre wurde die weltweite Anbaufläche für landwirtschaftliche Produkte immer größer; danach ist eine Stasis eingetreten. Heute sind weltweit 20 Prozent des landwirtschaftlichen Grundes von einer starken Erosion ebenso bedroht wie von Versalzungs- und Versteppungsgefahr. Eine wesentliche Rolle spielt außerdem die Verstädterung: Pro Woche wird weltweit eine Fläche verbaut, die dem Stadtgebiet von Vancouver entspricht; damit schwindet Kulturgrund und mit ihm das Angebot an Agrarrohstoffen.

Derzeit hat sich eine Situation eingestellt, in der jede zusätzliche Nachfrage und jede Angebotverringerung zu einem Versorgungsengpass führt. Und damit zu einer weiteren Preissteigerung.
Da die Reserven an Agrarrohstoffen bereits sehr gering sind, haben Wetterkapriolen und Naturkatastrophen direkten Einfluss auf die entsprechenden Preise.

Der vierte Grund für die Teuerung der Agrarrohstoffe ist der Erdölpreis. Es wird darüber spekuliert, dass die Erdölreserven in einigen Regionen der Erde zu Ende gehen; einige Länder wollen ihre Fördermengen nicht steigern und in anderen Gebieten heizen drohende Kriege die Entwicklung des Ölpreises weiter an. In vielen westlichen Ländern hat dies eine Suche nach alternativen Energiequellen ausgelöst: Sowohl in Amerika als auch in der EU wurden Biotreibstoffe als alternative Energieträger entdeckt; die USA und Brasilien setzen dabei hauptsächlich auf Ethanol aus Mais oder Zuckerrohr, Europa auf Biodiesel. Bereits 30 Prozent der Maisernte dienen in den Staaten der Produktion von Bioethanol und in Europa sollen bis 2015 18 Prozent der Kulturfläche dem Anbau von Produkten zur Herstellung von Biodiesel dienen. Es gilt: Je mehr der Erdölpreis steigt, desto mehr steigt die Nachfrage nach Biodiesel und umso mehr treten die Produktionen von alternativen Treibstoffen und Lebensmitteln in Konkurrenz zueinander.

Die allgemeine wirtschaftliche Lage kann derzeit als schwierig eingestuft werden und es gibt am Finanzmarkt nur wenige Investitionsmöglichkeiten, mit denen sich gute Erträge erzielen lassen. Pensionsfonds oder Hedgefonds (mehr unter meinpolitikblog.de) setzen deshalb zunehmend auf Agrarrohstoffe. In den letzten Monaten haben große Hedgefonds, wie jene von Barclays oder Société Générale, sogar selbst landwirtschaftliche Gründe erworben, auf denen Agrarrohstoffe angebaut und anschließend gewinnbringend verkauft werden sollen.
Besonders in Afrika wird derzeit massiv in brachliegende Flächen investiert.
Wie die Teuerung der Agrarrohstoffe aufgrund steigender Erdölpreise stufe ich aber auch die Teuerung durch Finanzspekulation nur als “vorübergehend” ein. Denn der positive Effekt der angesprochenen Investitionen in neue Kulturgründe ist, dass das Angebot an Agrarrohstoffen wieder leicht ansteigt. Das trägt mittelfristig dazu bei, dass sich die Preisentwicklung wieder normalisiert.

Wie können hiesige Anleger vom Boom am Agrarmarkt profitieren?

Wenn die Märkte schwächer werden stellt sich die Frage: Welche Investmentmöglichkeit ist die Beste

Grundsätzlich ist es Anlegern möglich, an den Future-Märkten auf Mais, Weizen, Sojabohnen, Zucker oder Baumwolle zu setzen. Agrarmärkte sind sehr komplexe und volatile Märkte; allein auf einzelne Produktkategorien zu setzen, ist für Einzelinvestoren, die sich nicht ständig mit Wetterdaten und Ernteprognosen auseinandersetzen möchten, aufwendig und risikoreich. Sinnvoller sind daher sicher Anlagen in Agrarindexfonds oder -zertifikaten, in denen unterschiedliche Produktkategorien vertreten sind. Eine Alternative sind aber auch die oben angesprochenen aktiv verwalteten Agrarfonds, wo Broker Grund und Boden erwerben, bebauen und dann eine Jahresrendite für die Plantagen an die Investoren ausschütten.
Zu beachten ist allerdings: Viele Anleger haben ethische Bedenken, wenn es darum geht, im Lebensmittelsektor zu investieren, da sie wissen, dass steigende Preise in dieser Branche für manche Menschen lebensbedrohlich sein können. Denken wir beispielsweise an Bangladesh (hier mehr), wo die Menschen 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben; steigen die Preise der Nahrungsmittel weiter an, droht eine Hungersnot.
Für Anleger, für die diese ethischen Hemmnisse bestehen, empfiehlt es sich, auf Aktien oder Aktienfonds zu setzen, die nur indirekt mit dem Agrarrohstoffmarkt zusammenhängen.
Sehr gefragt sind derzeit beispielsweise die Aktien von Unternehmen, die Düngemittel oder Produktionsmittel für die Landwirtschaft herstellen, aber auch von Produzenten landwirtschaftlicher Maschinen – sie haben im vergangenen Jahr sehr von der Entwicklung bei den Agrarrohstoffen profitiert.

Investmentmöglichkeiten an den Währungsmärkten

Devisenmarkt­interventionen sind mit beträchtlichen Inflationsgefahren verknüpft. Wenn eine Zentralbank US-Dollars aufkauft, bringt sie mehr inländische Zahlungsmittel in Umlauf. Dies bedeutet aber aller Erfahrung nach mittelfristig eine höhere Geldentwertung. Die Gefahr steigt, dass die Wirtschaft in eine Schieflage gerät.
Tatsächlich ist Chinas Preissteigerungsrate in den vergangenen Monaten deutlich auf weit über sechs Prozent geklettert, wenngleich hauptsächlich aufgrund steigender Lebensmittelpreise.
Letztlich muss jedes Land für sich abwägen, ob die Vor- oder Nachteile der Wechselkursstabilisierung überwiegen. Wohl vor allem aufgrund der Inflationsgefahren hat eine ganze Reihe von Staaten, die zuvor ihre Währung recht eng an den Dollar gekoppelt hatten, diese Strategie inzwischen weitgehend aufgegeben. Dazu gehören etwa Südkorea, Singapur, Thailand, Indonesien, Brasilien und Russland. Auch mehren sich die Spekulationen, dass weitere Ölexport-Nationen ihre rigide Dollarbindung lockern wollen.
Doch solange das sehr wettbewerbsfähige China seine Währung weiterhin künstlich billig hält, ist der Druck auf viele andere Schwellenländer groß, das Gleiche zu tun und weiterhin US-Staatspapiere zu kaufen.
Aber auch das andere Szenario ist denkbar: Wenn China seine Währung stärker aufwerten lassen würde, könnte es eine Lawine auslösen, weil viele andere Entwicklungsländer dieser Strategie folgen dürften. Das würde den Dollar zum Absturz bringen und der europäischen Exportwirtschaft ein massives Absatzproblem bescheren.

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